PKV-Welt für Selbstständige

Ihre Arbeitskraft ist als Selbstständiger Ihr wichtigstes Kapital. Wenn Sie durch Krankheit oder Unfall Ihren Beruf nicht mehr ausüben können, fehlt nicht nur das Einkommen, sondern auch die gesetzliche Absicherung. Angestellte erhalten eine Erwerbsminderungsrente. Für Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherung existiert dieses Netz nicht. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) schließt diese Lücke.

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„Die BU-Versicherung ist für Selbstständige wichtiger als für Angestellte. Angestellte haben die gesetzliche Erwerbsminderungsrente als Auffangnetz. Selbstständige ohne Pflichtversicherung in der Rentenversicherung haben im Ernstfall gar nichts."
Tim Bökemeier · Experte für private Krankenversicherung

Praxistipps:

check_circle Frühzeitig abschließen: Je jünger und gesünder, desto günstiger
check_circle BU-Rente an die Fixkosten anpassen, nicht an den vollen Gewinn
check_circle Gesundheitsfragen ehrlich beantworten (§ 19 VVG gilt auch hier)

Warum die BU für Selbstständige existenziell ist

Die meisten Selbstständigen zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Damit entfällt der Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Wenn Sie berufsunfähig werden, haben Sie: kein Krankengeld (endet nach 78 Wochen), keine Erwerbsminderungsrente und kein Arbeitgebernetz.

Statistisch wird jeder vierte Arbeitnehmer im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig. Die häufigsten Ursachen: psychische Erkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparats, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für Existenzgründer ist eine solide Absicherung besonders existenziell.

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Was kostet die BU-Versicherung?

Der Beitrag hängt vom Alter, Beruf und Gesundheitszustand ab. Für Büroberufe (Berater, Designer, IT) sind die Beiträge niedriger als für körperlich arbeitende Berufe (Handwerker, Physiotherapeuten).

Alter BU-Rente 2.000 Euro/Monat BU-Rente 3.000 Euro/Monat
30 Jahre (Berater) ca. 50 Euro/Monat ca. 75 Euro/Monat
35 Jahre (Berater) ca. 65 Euro/Monat ca. 98 Euro/Monat
40 Jahre (Berater) ca. 90 Euro/Monat ca. 135 Euro/Monat
35 Jahre (Handwerker) ca. 110 Euro/Monat ca. 165 Euro/Monat

Die Beiträge sind als Vorsorgeaufwendungen steuerlich absetzbar. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % sinkt der effektive Beitrag um rund 40 %.

Die richtige BU-Rente bestimmen

Die BU-Rente sollte Ihre laufenden Fixkosten decken: Miete/Kredit, Krankenversicherung, Lebenshaltung und Altersvorsorge. Orientieren Sie sich an 60 bis 70 % Ihres Nettoeinkommens.

Ein Beispiel: Bei 4.000 Euro Nettoeinkommen und Fixkosten von 2.800 Euro sollte die BU-Rente mindestens 2.800 Euro betragen. Eine Rente von 2.000 Euro wäre zu knapp, 4.000 Euro unnötig teuer.

Worauf Sie beim Abschluss achten müssen

Verzicht auf abstrakte Verweisung: Der Versicherer darf Sie nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den Sie theoretisch ausüben könnten. Achten Sie darauf, dass die abstrakte Verweisung im Vertrag ausgeschlossen ist.

Nachversicherungsgarantie: Die Möglichkeit, die BU-Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen, wenn sich Ihr Einkommen steigert. Dies ist besonders wichtig, wenn Sie in den ersten Jahren nach der Existenzgründung schnell wachsen.

Prognosezeitraum: Der Versicherer prüft, ob die Berufsunfähigkeit voraussichtlich mindestens sechs Monate dauert. Kürzere Ausfälle deckt das Krankentagegeld ab.

Gesundheitsfragen: Beantworten Sie die Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß (§ 19 VVG). Falsche Angaben können dazu führen, dass der Versicherer im Leistungsfall nicht zahlt.

BU und Krankenversicherung: Das Zusammenspiel

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ersetzt nicht die Krankenversicherung und umgekehrt. Beide Bausteine sichern unterschiedliche Risiken ab:

Risiko Absicherung
Kurzfristige Krankheit (bis 78 Wochen) Krankentagegeld
Dauerhafte Berufsunfähigkeit BU-Versicherung
Medizinische Behandlung Krankenversicherung (GKV oder PKV)

Wichtig: Ihr PKV-Beitrag läuft auch bei Berufsunfähigkeit weiter. Einige BU-Versicherer bieten einen Zusatzbaustein, der den Krankenversicherungsbeitrag bei BU übernimmt. Prüfen Sie diese Option.

Häufig gestellte Fragen

Ist die BU-Versicherung Pflicht? expand_more
Nein, sie ist keine gesetzliche Pflicht. Für Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherung ist sie aber faktisch unverzichtbar, da kein anderes Sicherheitsnetz existiert.
Kann ich die BU-Versicherung steuerlich absetzen? expand_more
Ja, als Vorsorgeaufwendung. Der absetzbare Anteil hängt von der Gesamtsumme Ihrer Vorsorgeaufwendungen ab.
Was passiert, wenn ich die BU-Versicherung nicht mehr bezahlen kann? expand_more
Die meisten Versicherer bieten eine Beitragsfreistellung an. Die Rente wird dann reduziert, aber der Vertrag bleibt bestehen. Kündigen Sie nicht vorschnell.
Ab welchem Alter lohnt sich der Abschluss nicht mehr? expand_more
Je später der Abschluss, desto teurer. Ab Mitte 40 wird die BU sehr kostspielig. Idealerweise schließen Sie die BU in den 20ern oder 30ern ab.

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Tim Bökemeier

Tim Bökemeier

Geschäftsführer & PKV-Experte

Tim Bökemeier berät seit über 15 Jahren Selbstständige zur privaten Krankenversicherung. Als Gründer von selbststaendig-pkv.de hat er über 3.800 Kunden bei ihrer KV-Entscheidung begleitet.

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calendar_today Zuletzt aktualisiert: 27. März 2026

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