PKV-Welt für Selbstständige

Wie viel zahlen Sie als Selbstständiger in der gesetzlichen Krankenversicherung? Die Antwort hängt von drei Zahlen ab: Ihrem Einkommen, der Mindestbemessungsgrundlage und der Beitragsbemessungsgrenze. Zwischen diesen Polen bewegt sich Ihr Beitrag. Für 2026 liegt er zwischen 278 Euro und 1.261 Euro monatlich. Dieser Artikel erklärt die Berechnung, zeigt konkrete Beispiele und vergleicht die Kosten mit der privaten Krankenversicherung.

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„Viele Selbstständige sind überrascht, wie hoch der GKV-Beitrag tatsächlich ausfällt. Der Grund: Sie tragen den vollen Beitrag allein, ohne Arbeitgeberzuschuss. Eine ehrliche Kalkulation zeigt, ob die gesetzliche Krankenkasse wirklich die günstigere Option ist."
Tim Bökemeier · Experte für private Krankenversicherung

Praxistipps:

check_circle Mindestbemessungsgrundlage kennen: 1.318,33 Euro
check_circle Alle Einkünfte zählen, nicht nur der Gewinn
check_circle Einkommensnachweis sorgfältig vorbereiten

Die drei entscheidenden Zahlen 2026

Ihr GKV-Beitrag wird durch drei Werte bestimmt, die jährlich neu festgelegt werden.

Kennzahl Wert 2026 Bedeutung
Mindestbemessungsgrundlage 1.318,33 Euro/Monat Minimum, auf das der Beitrag berechnet wird (auch bei niedrigerem Einkommen)
Beitragsbemessungsgrenze (BBG) 5.812,50 Euro/Monat Maximum, bis zu dem Einkommen beitragspflichtig ist
Gesamtbeitragssatz (mit Krankengeld) 17,5 % + Pflegeversicherung 14,6 % + Ø 2,9 % Zusatzbeitrag + PV je nach Kinderzahl

Das bedeutet: Selbst wenn Sie nur 800 Euro monatlich verdienen, berechnet die Krankenkasse Ihren Beitrag auf mindestens 1.318,33 Euro. Und wenn Sie 10.000 Euro verdienen, wird der Beitrag nur auf maximal 5.812,50 Euro berechnet. Diese Grenzen sind der Grund, warum sich ein Wechsel in die private Krankenversicherung oft lohnt.

PKV-Kostenanalyse mit Dokumenten

So wird Ihr Beitrag berechnet

Die Berechnung folgt einer klaren Formel: Ihr beitragspflichtiges Einkommen (mindestens 1.318,33 Euro, maximal 5.812,50 Euro) wird mit dem Beitragssatz multipliziert.

Der Beitragssatz setzt sich zusammen aus: 14,6 % allgemeiner Beitragssatz plus dem kassenindividuellen Zusatzbeitrag (Durchschnitt 2026: 2,9 %, Spanne: 2,18 % bis 4,39 %). Bei Wahl des Krankengeld-Wahltarifs gilt der volle Satz von 14,6 %. Ohne Krankengeld gilt der ermäßigte Satz von 14,0 %.

Hinzu kommt die Pflegeversicherung. Der Satz hängt von der Kinderzahl ab: 4,2 % für Kinderlose ab 23 Jahren, 3,6 % mit einem Kind, 3,35 % mit zwei Kindern, 3,1 % mit drei Kindern und 2,85 % mit vier Kindern.

Wichtig: Die Krankenkasse berücksichtigt alle Einnahmen, nicht nur den Gewinn aus der Selbstständigkeit. Auch Mieteinnahmen, Kapitalerträge und sonstige Einkünfte fließen in die Berechnung ein.

Beitragsbeispiele nach Einkommen

Die folgende Tabelle zeigt den monatlichen GKV-Beitrag für verschiedene Einkommensstufen (mit Krankengeld, 1 Kind, Zusatzbeitrag 2,9 %).

Monatseinkommen KV-Beitrag (17,5 %) PV-Beitrag (3,6 %) Gesamt/Monat Gesamt/Jahr
500 Euro (unter Minimum) 231 Euro 47 Euro 278 Euro 3.336 Euro
1.318 Euro (Minimum) 231 Euro 47 Euro 278 Euro 3.336 Euro
2.000 Euro 350 Euro 72 Euro 422 Euro 5.064 Euro
3.000 Euro 525 Euro 108 Euro 633 Euro 7.596 Euro
4.000 Euro 700 Euro 144 Euro 844 Euro 10.128 Euro
5.000 Euro 875 Euro 180 Euro 1.055 Euro 12.660 Euro
5.813 Euro (BBG) 1.017 Euro 209 Euro 1.226 Euro 14.717 Euro
8.000 Euro (über BBG) 1.017 Euro 209 Euro 1.226 Euro 14.717 Euro

Ab 5.812,50 Euro Einkommen bleibt der Beitrag gleich. Das ist die Deckelung durch die Beitragsbemessungsgrenze.

Einkommensnachweis: Was die Krankenkasse fordert

Die Krankenkasse schätzt Ihr Einkommen zunächst vorläufig, meist auf Basis Ihres letzten Steuerbescheids. Sobald ein neuer Steuerbescheid vorliegt, wird der Beitrag rückwirkend angepasst.

Sie müssen folgende Nachweise einreichen: den aktuellen Einkommensteuerbescheid, bei neuem Steuerjahr eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) oder Gewinn-und-Verlustrechnung, und bei Gründung eine realistische Einkommensprognose.

Hinweis

Rückwirkende Nachzahlung einplanen Wenn Ihr tatsächliches Einkommen höher ist als die vorläufige Schätzung, fordert die Krankenkasse rückwirkend höhere Beiträge nach. Planen Sie hierfür einen finanziellen Puffer ein. Der Nachzahlungsbetrag kann mehrere tausend Euro betragen.

Vergleich: GKV vs. PKV bei verschiedenen Einkommen

Wann ist die gesetzliche Krankenversicherung günstiger, wann die private? Der Vergleich zeigt klare Muster.

Profil GKV-Beitrag PKV-Beitrag (Komfort) Differenz
30 Jahre, 2.000 Euro 422 Euro 430 Euro GKV günstiger (8 Euro)
30 Jahre, 4.000 Euro 844 Euro 430 Euro PKV günstiger (414 Euro)
40 Jahre, 3.000 Euro 633 Euro 600 Euro PKV günstiger (33 Euro)
40 Jahre, 1.500 Euro 316 Euro 600 Euro GKV günstiger (284 Euro)
50 Jahre, 5.000 Euro 1.055 Euro 830 Euro PKV günstiger (225 Euro)

Beachten Sie: Beide Systeme werden über die Zeit teurer. In der gesetzlichen Krankenversicherung steigen die Kosten durch steigende Zusatzbeiträge und jährliche Anpassungen der Beitragsbemessungsgrenze. In der privaten Krankenversicherung beträgt die durchschnittliche Beitragserhöhung etwa 3,3 % pro Jahr.

Wechsel in die private Krankenversicherung?

Wenn der GKV-Beitrag deutlich über dem PKV-Beitrag liegt, kann ein Wechsel finanziell sinnvoll sein. Als Selbstständiger haben Sie jederzeit die Möglichkeit, in die private Krankenversicherung einzutreten, unabhängig von Ihrem Einkommen.

Vor dem Wechsel sollten Sie drei Faktoren prüfen: Ihre langfristige Einkommensperspektive (bei schwankendem Einkommen ist die GKV flexibler), Ihre Familienplanung (die GKV bietet eine beitragsfreie Familienversicherung für Ehepartner und Kinder bis 538 Euro Monatseinkommen) und Ihre Rückkehrmöglichkeit (ab 55 Jahren ist die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung praktisch unmöglich).

Die anonyme Risikovoranfrage zeigt Ihnen den konkreten PKV-Beitrag für Ihr Profil, ohne dass ein HIS-Eintrag entsteht.

Häufig gestellte Fragen

Warum zahle ich den Mindestbeitrag, obwohl ich weniger verdiene? expand_more
Die Mindestbemessungsgrundlage von 1.318,33 Euro (2026) ist eine gesetzliche Untergrenze. Auch wenn Ihr tatsächliches Einkommen darunter liegt, berechnet die Krankenkasse den Beitrag auf diesen Betrag.
Kann ich den Zusatzbeitrag meiner Krankenkasse beeinflussen? expand_more
Nicht direkt, aber Sie können die Krankenkasse wechseln. Die Spanne der Zusatzbeiträge reicht 2026 von 2,18 % bis 4,39 %. Ein Wechsel zu einer günstigeren Kasse kann mehrere hundert Euro pro Jahr einsparen.
Was passiert mit meinem Beitrag bei Elternzeit? expand_more
Während der Elternzeit können Sie unter bestimmten Voraussetzungen den Mindestbeitrag zahlen, wenn Ihr Einkommen entsprechend sinkt. Die genauen Bedingungen klären Sie mit Ihrer Krankenkasse.
Zählen Kapitalerträge zu meinem beitragspflichtigen Einkommen? expand_more
Ja. Als freiwillig Versicherter werden alle Einkunftsarten berücksichtigt: Gewinn aus Selbstständigkeit, Mieteinnahmen, Kapitalerträge und sonstige Einkünfte.
Lohnt sich der Krankengeld-Wahltarif? expand_more
Ohne den Wahltarif sparen Sie 0,6 Prozentpunkte beim Beitragssatz. Allerdings stehen Sie bei längerer Krankheit ohne Einkommensersatz da. Das Krankengeld wird ab dem 43. Krankheitstag gezahlt, maximal 135,63 Euro pro Tag (2026). Für die meisten Selbstständigen ist der Wahltarif empfehlenswert.

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Tim Bökemeier

Tim Bökemeier

Geschäftsführer & PKV-Experte

Tim Bökemeier berät seit über 15 Jahren Selbstständige zur privaten Krankenversicherung. Als Gründer von selbststaendig-pkv.de hat er über 3.800 Kunden bei ihrer KV-Entscheidung begleitet.

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calendar_today Zuletzt aktualisiert: 27. März 2026

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